Sinusitis-News (3) Neue Therapieansätze und Interessantes aus der Forschung

Sinusitis Forschung und Studien mithilfe eines MikroskopsIn der neuesten Ausgabe der Sinusitis-News-Reihe will ich einmal mehr über brandaktuelle Neuigkeiten aus dem Forschungs- und Therapiebereich der chronischen Sinusitis berichten.

Dabei werden wie gewohnt nicht nur die regionalen Nachrichten eingeschätzt, sondern auch internationale Mitteilungen aufgegriffen, die hierzulande häufig noch unter dem Radar fliegen. Auch in meinem Sinusitis Heilen Ebook erfahren Sie übrigens ebenfalls von Therapieansätzen die hierzulande wenig bekannt sind.

Federartiges Implantat aus den USA soll die Effizienz einer Nasennebenhöhlen-OP erhöhen

Das sogenannte PROPEL™-Implantat des US-Amerikanischen Firma Intersect ist ein federartiges Implantat, das direkt nach einer Nasennebenhöhlen-Operation eingesetzt die anschließende Ausheilung verbessern soll. Ursprung der Entwicklungsidee war die Feststellung, dass es nach einer solchen Operation, insbesondere bei Beteiligung der Siebbeinhöhle, häufig zu einer Verlegung der eigentlich erweiterten Zugänge kommt. Hierbei spielen Schwellungen, Polypenbildungen oder auch Vernarbungen in der Zeit unmittelbar nach einem Eingriff eine Rolle. Durch das Implantat soll die erhoffte Drainageöffnung bestehen bleiben.

Das Implantat ist aus einem biologisch abbaubaren Material gefertigt, das sich nach einer gewissen Zeit von selbst auflöst. Dank seiner flexiblen Form soll es sich jeder anatomischen Form der Nebenhöhlen anpassen können. Um den Heilungsverlauf nach einer Operation zu optimieren, ist das Implantat zudem mit dem starken Steroid Mometasonfuroat bedeckt, das über 30 Tage hinweg an die direkte Umgebung abgegeben wird. Dadurch soll es Schwellungen und die Neubildung von Polypen effektiver eindämmen können als ein herkömmliches Kortisonspray, da es genau dort konzentriert ankommt wo es benötigt wird.

PROPEL™ wird als große Hoffnung für alle chronische Sinusitis-Erkrankte angepriesen. Erste Studien sollen positive Wirkungen bestätigen, weitere wissenschaftliche Arbeiten sind jedoch sicherlich wünschenswert. Aus meiner Sicht ist die Idee hinter der Entwicklung durchaus nachvollziehbar, da die erhoffte Erweiterung der Nasennebenhöhlenzugänge in der Tat oftmals nicht lange erhalten bleibt. So gesehen ist es für mich tatsächlich denkbar, dass dieses Implantat die Operationsergebnisse und die Nachbehandlung effektiver gestalten kann. Ob dies aber dazu führen sollte, eine Nasennebenhöhlenoperation in Verbindung mit PROPEL™ als eine grundsätzlich empfehlenswerte Therapieform zu sehen, halte ich eher für fraglich.

Eine Operation sollte definitiv gut überlegt sein und sicherlich nicht eine der ersten Therapieoptionen darstellen. Wenn Sie sich jedoch bereits für eine Operation in näherer Zukunft entschieden haben oder diese für Sie zumindest in Betracht kommt, wäre es sicherlich interessant, die weitere Entwicklung von PROPEL™ zu verfolgen.

Ambulante Soforthilfe bei akuter und chronischer Sinusitis?

Diese Meldung bzw. das betreffende Produkt sind zugegebener Maßen nicht zwingend brandaktuell, allerdings dürfte es für die meisten unter Ihnen dennoch unbekannt sein, da es wiederum seinen Ursprung in den USA hat. Die Rede ist vom neuen „Vent-Os®-System“, das eine Art Weiterentwicklung der hierzulande geläufigen Ballon Sinuplastik darstellt. Mit dem System soll es möglich sein, ambulant innerhalb von knapp 1,5 Stunden und lediglich lokaler Betäubung die Drainagewege der Nasennebenhöhlen zu erweitern.

Hinter Vent-Os® steckt ein Dilatationssystem, das in die Nasennebenhöhlenöffnung eingebracht wird. Anschließend dehnt sich ein kleiner Zylinder langsam auf, wodurch die Drainage gewebeschonend erweitert werden soll. Diese so erzielte Fensterung soll die Belüftung der Nebenhöhle verbessern und so deren Regeneration ermöglichen. Erste Studien können wohl zeigen, dass ein bestehender Unterdruck so ausgeglichen werden kann und dadurch entstandene Schmerzen zurückgehen.

Das Verfahren soll sich allerdings in erster Linie nur bei Abfluss- bzw. Belüftungsstörungen der Kieferhöhle eignen. In Einzelfällen kommt wohl auch eine Therapie bei Stirn- und Keilbeinhöhlenbeschwerden in Frage. Eine Behandlung mit Vent-Os® wird bislang noch nicht von den Krankenkassen erstattet und kostet rund 1600€.

Die Vorteile liegen im Vergleich zu anderen Eingriffen sicherlich in der schonenden Vorgehensweise und der geringen Belastung für den Patienten. Dieser kann unmittelbar nach dem Eingriff uneingeschränkt dem Alltag nachgehen. Die größten Nachteile sind aus meiner Sicht die noch sehr überschaubare Studienlage und das wohl nicht ursächliche Therapievorgehen. Daher möchte ich vor einer übermäßigen, die möglicherweise nach Deutschland überschwappt warnen, wenngleich eine Anwendung in Einzelfällen sicherlich auch hilfreich sein kann.

Photodesinfektionssystem zur Behandlung der chronischen Sinusitis in der Entwicklungsphase

Unter dem Namen „Sinuwave™ Photodisinfection System“ arbeitet ein US-amerikanisches Team wohl bereits seit geraumer Zeit an einer revolutionären Therapieform zur Behandlung der chronischen Sinusitis. Das System basiert auf einer antimikrobiellen (gegen das Wachstum von Mikroorganismen gerichtet) photodynamischen Therapie, bei der eine gut verträgliche, sogenannte Photosensibilisator-Lösung zunächst auf das entzündete Gewebe gesprüht und anschließend mittels eines sicheren und schmerzfreien Laserlichts aktiviert wird.

Untersuchung mit einem ReagenzglasAnschließend soll die aktivierte Lösung in der Lage sein, sogenannte Biofilme mit resistenten Bakterien, Viren und sogar Pilzen, die für chronische Sinusitis-Erkrankungen verantwortlich gemacht werden, bis zu 99,9% zu zerstören. Das Ganze bereits nach einer einzigen Anwendung. Darüber hinaus soll auch die lokale Entzündungsreaktion gemindert und die Schleimhaut abgeschwellt werden, ohne das Gewebe oder die Flimmerhärchen zu schädigen.

Da es bislang noch keine Informationen zur Entwicklung dieser Therapie in deutscher Sprache zu finden gibt, kann ich mich diesbezüglich aktuell nur mit meinem begrenzten fachmedizinischen Englisch behelfen. Ich hoffe Sie sehen es mir nach, dass ich deshalb keine umfassenderen Informationen und eine klare persönliche Einschätzung zu dieser speziellen Therapie bieten kann. Ich werde das Thema aber mit Sicherheit weiter verfolgen und kann dies auch Ihnen nur empfehlen, wenn Ihr Interesse geweckt wurde.

Studie bestätigt positive Wirkung von Thermalinhalation bei Allergien und Atemwegserkrankungen

Wie die „Südtirol News“ Ende September 2016 berichtet, konnte eine Studie des wissenschaftlichen Beirats der Therme Meran bestätigen, dass sich die Inhalation mit Thermalwasser förderlich auf Erkrankungen der oberen Atemwege, insbesondere mit Allergie-Beteiligung, auswirkt. Die Studie aus dem Mai hat inzwischen international Beachtung gefunden. Wie die wissenschaftliche Arbeit beweist, ist die Wirkung vergleichbar mit der Behandlung mittels Kortison-Nasenspray, allerdings mit vergleichsweise minimalsten Nebenwirkungen. Die nachgewiesenen Effekte des Thermalwassers sind unter anderem die Befreiung der Atemwege und das Abklingen chronischer Entzündungen.

Auch wenn natürlich jede Thermalquelle unterschiedlich ist und jeweils verschiedene Indikationen anspricht, so lässt diese Studie meiner Meinung nach doch den Schluss zu, dass es durchaus sinnvoll sein kann, sich nach solchen natürlich wirkenden Thermalquellen in seiner Umgebung umzusehen. Selbst wenn die Wirkung nicht ganz an jene einer Kortisonbehandlung herankommen sollte, ist sie zumindest deutlich nebenwirkungsärmer. Auch wenn eine Thermalinhalation wohl kaum ursächlich auf die chronische Erkrankung wirkt (genau wie Kortison), kann sie gleichermaßen in der Lage sein, die Symptome zu lindern. Auch sollte man sicherlich den wohltuenden Effekt für Geist und Seele eines Thermenbesuches nicht vergessen.

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